Klassismus?! – Ein Vortrag mit Andreas Kemper

Der Begriff des Klassismus und die Auseinandersetzung mit dem Begriff ist im deutschsprachigen Raum kaum bekannt. Anders als in den USA oder Großbritannien, wo es eine weitaus transparentere Auseinandersetzung zur Ausgrenzung und Abwertung von Menschen aus ärmeren Verhältnissen gibt.

Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ beispielsweise ist ein gutes Beispiel für die gezielte Nutzung von Klassismus als politisches Kampfmittel. Hier wird behauptet, dass „menschliche Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent erblich ist“ (Sarrazin 2010, S. 93), da Betroffene sozialer Ungleichheit weniger intelligent seien, jedoch mehr Kinder als Intelligente bekämen, weshalb die Deutschen wiederum immer dümmer würden.

Klassismus ist kann daher nicht nur als irgendwie geartetes Ausgrenzungsverhältnis im Alltag betrachtet werden, sondern dient der politischen Elite zur gezielten Dämonisierung und Demoralisierung einkommensschwacher Menschen.

Klassismus als Ausgrenzungsverhältnis beschränkt sich allerdings nicht nur auf den gesellschaftlichen Mainstream, auch in linken Zusammenhängen gehören verbale Ausgrenzungen wie „Assi” oder „Proll” zur traurigen Realität. Das mag vor allem damit zusammenhängen, dass linke Zusammenhänge von Menschen dominiert werden, die aus materiell abgesicherten Familienverhältnissen entstammen, das Gymnasium und später die Universität besucht haben, ohne dort mit Menschen aus Armutsverhältnissen oder gewerkschaftlich organisierten Lohnarbeiter*innenhaushalten in Kontakt gekommen zu sein.

Mit der Renaissance des Triple Oppression Ansatzes (Sexismus, Rassismus, Klassismus), in seiner modifizierten Variante der intersektionellen Betrachtungsweisen von Ausgrenzungsverhältnissen, rückte der Begriff des Klassismus wieder in den Fokus linker Debatten. Der Begriff ist jedoch eine Vokabel aus dem bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb. Er birgt somit die Gefahr einer rein wissenschaftlichen Analyse sozialer Ausgrenzungsmechanismen im Kapitalismus, ohne diese durch eine klassenkämpferische Praxis infrage zu stellen. Auf der anderen Seite bietet die aufkommende Auseinandersetzung mit dem Thema auch Anknüpfungspunkte für solche Praxis.

Zu Andreas Kemper:
Er (andreaskemper.wordpress.com) veröffentlichte neben dem Buch zur AfD „Rechte Euro-Rebellion“ eine Einführung in das Thema Klassismus (zusammen mit H. Weinbach), sowie kritische Bücher zum organisierten Antifeminismus / Maskulismus. Im Frühjahr 2014 erschien die Publikation „Sarrazins Correctness. Zur Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen“. Andreas Kemper promoviert in Münster zum Thema Klassismus.

Wann? Donnerstag, 15.05.2014, 19 Uhr
Wo? FAU-Lokal, Lottumstr. 10

Veranstalter*innen: North East Antifa (NEA), FAU Berlin (Sektion Hartz-IV-Komplex), ASJ Berlin

Anschließend: NEA/RASH-Tresen
Mit Essen, Cocktails und guter Musik
Bandito Rosso, Lottumstraße 10a

Veranstaltung im Rahmen der Gedenk-Demonstration an Dieter Eich
23. Mai 2014 | 18 Uhr | S-Bhf. Berlin-Buch

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