„Schmarotzer am deutschen Volkskörper“ Aufruf der ASJ berlin zur Dieter-Eich-Demo am 23.05.2010

Der Mord an Dieter Eich und seine Hintergründe

Am 25. Mai 2000 wurde Dieter Eich, ein Sozialhilfeempfänger, der in einer Plattenbauwohnung am Nordost-berliner Stadtrand untergekommen war, von einer Gruppe jugendlicher Neonazis erst zusammengeschlagen und dann brutal erstochen – Die Begründung der Mörder:“Der musste weg, der war asozialer Dreck.”.
Für das eigene Vaterland und das Volk arbeiten, das ist für Nazis die „ehrenhafte“ Aufgabe eines guten Bürgers, für die er sich bedingungslos dem Staate unterzuordnen hat. Menschen wie Dieter Eich gelten in einem solchen Bild als asozial. Solche Asozialen, Leute die nicht mehr fähig oder willens waren, für den Staat zu arbeiten, wurden in der Zeit des Nationalsozialismus in groß angelegten Aktionen in Konzentrationslager verschleppt und umgebracht.

Wenn dann heute Morde wie der an Dieter Eich passieren, dann heben sowohl Politiker als auch normale Bürger – schon fast reflexartig – ihren Zeigefinger und zeigen sich entrüstet. Jedoch herrscht heute ein Umgang mit Erwerbslosen, der den Mördern von Dieter Eich genau in die Hände spielt – Die Devise gilt immer noch: Arbeite und du bist was wert, tue es nicht und du bist wertlos.
Da stempeln dann so manche Durchschnitts-ArbeiterInnen – wütend darüber, dass sie selbst sich immer noch dem tristen, anstrengenden Arbeitsalltag hingeben und andere nicht – HartzIV-EmpfängerInnen als „SozialschmarotzerInnen“ ab und sind stolz darauf, nicht „asozial“ zu sein und der „Allgemeinheit“ was gutes zu tun. Und Politiker sowie Medien gießen Öl ins Feuer.
2005 kam unter Wolfgang Clement (SPD) eine offizielle Broschüre des Bundesmisteriums für Wirtschaft und Arbeit mit dem Titel „Vorrang den Anständigen – Gegen Missbrauch, „Abzocke“ und Selbstbedienung im Sozialstaat“ heraus, in der es heißt: „Biologen verwenden für ‘Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben’, übereinstimmend die Bezeichnung ‘Parasiten’. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen. Schließlich ist Sozialbetrug nicht durch die Natur bestimmt, sondern vom Willen des einzelnen gesteuert.“ Was macht der Mensch mit in der Natur vorkommenden Parasiten? Er vernichtet sie! In der Zeit des Nationalsozialismus wurden „Parasiten“ – mit dem Begriff hetzte man vor allem gegen Juden – in KZs umgebracht. Die Broschüre wurde wegen solcher Passagen von der „Deutschen Stimme“, der Parteizeitung der NPD, bejubelt. Vor allem weil das Augenmerk auf migrantischen SozialhilfeempfängerInnen liegt. So wird Libanese Ibrahim als Musterbeispiel für einen Sozialbetrüger dargestellt.
Nebenbei erwähnt, der jetzige Außenminister Guido Westerwelle, erhält jetzt bei seiner Hetze gegen Hartz IV – EmpfängerInnen Unterstützung von Herr Clement.

Was bedeutet es aber, ArbeiterIn oder Arbeitlose/r in unserer heutigen kapitalistischen Gesellschaft zu sein? Es bedeutet, nichts anderes als die eigene Arbeitskraft zu verkaufen zu haben. Es bedeutet, sie an eine/n ChefIn zu verkaufen, aber nur einen Bruchteil davon bezahlt zu bekommen, also auf die eigenen Kosten einen Profit für sie/ihn zu erarbeiten. Es bedeutet, dass man abhängig von Menschen ist, die an der Quelle von Reichtum und Macht sitzen und so über einen bestimmen können.
Oder es bedeutet eben, die eigene Arbeitskraft nicht mehr verkaufen zu können, weil sie nicht gefragt ist. Sei es weil man nicht produktiv genug ist (z.B. im Falle einer Behinderung oder wegen des Alters) oder weil man nicht die nötige Bildung hat oder weil einfach keine Arbeitskräfte mehr benötigt werden (z.B. weil Arbeit ins Ausland verlagert wird, wenn sie dort billiger ist). Beides ist integraler Bestandteil der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Politiker würden das aber natürlich nie so aussprechen. Lieber macht man dann „Sozialschmarotzer“, am besten „ausländische Solzialschmarotzer“ (man möchte ja das eigene Volk nicht vergraueln), für eine hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich. Da fällt es dann nicht schwer, nicht mehr arbeiten zu wollen, weil man keine Lust mehr auf dieses Wirtschaftssystem, auf diese Organisation der Arbeit hat.

Die Devise müsste also lauten: Arbeite und du bist Wert für deine/n ChefIn, tue es nicht und du bist es nicht. Wie sieht da die „Allgemeinheit“ aus, für die viele ArbeiterInnen denken zu arbeiten? Dieser Unterdrückung sind sie sich nicht bewusst oder sie nehmen sie als unveränderbar hin. Diese Arbeitsmoral ist für sie so selbstverständlich, dass sie garnicht mehr an eine Alternative denken. Dabei haben es ArbeiterInnen in der Geschichte schon mehrmals geschafft, eine solidarische Gesellschaft aufzubauen, in der jede/r das Nötigste zum Leben hat, in der jede/r über sein/ihr Produziertes verfügt, in der die ArbeiterInnen die Produktion selbst verwalten. Für eine solche Gesellschaft ist es jedoch nötig, sich jedes Herrschaftskonstruktes zu entledigen. Staatskommunisten machen einer/m gerne weiß, dass die Machtübernahme einer Arbeiterpartei im Staat zur Befreiung der Arbeiterklasse und somit der Menschen führen würde. Es kann aber niemals Befreiung durch den Staat geben. Denn dieser führt wieder nur zu Ausbeutung und zur selben Arbeitsmoral, die wir heute haben. Er ist derjenige, der die heutige Klassenordnung aufrecht erhält. Das sollte die Geschichte des letzten Jahrhunderts gezeigt haben. ArbeiterInnen müssen die Produktion selbst übernehmen und sie in freien, föderalistischen Vereinigungen verwalten. Dies muss in allen Nationen übergreifend passieren. Diese suggerieren, dass es andere Völker gibt, gegen die es sich abzugrenzen gilt und legitimieren so eine ausbeuterische Gesellschaft im eigenen Territorium. Die Arbeiterklasse hat aber kein Vaterland, sie teilt überall das selbe Schicksal.

Kommt zur Demo am 23.05 in Berlin-Buch!

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